Landtagswahl 2010 - Mitbestimmen bei der Bildungspolitik!
Die derzeitigen Probleme und die Perspektiven der Bildung in NRW - darum ging es bei der Podiumsdiskussion am 16. März 2010 von VHS und Sophie-Scholl-Gymnasium.
Emanuel Hartkopf, Dipl. Soz.-Wiss. Universität Münster, stellte auf der Grundlage umfassender Daten die Bildungssituation in NRW vor.
Sein Fazit:
“NRW nimmt bei fast allen Kennzahlen zu den strukturellen Rahmenbedingungen sowie Ergebnissen des Bildungssystems im Ländervergleich nur eine mittlere oder unterdurchschnittliche Position ein. Trotz verschiedener Verbesserungen in den letzten Jahren im Rahmen von Schulleistungsstudien oder bei der Betreuungssituation hat NRW weiterhin viel Aufholbedarf.”
Auf diesem Hintergrund bat die Moderatorin Birgit Keller-Reddemann um Stellungnahmen der bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der zur Landtagswahl antretenden Parteien CDU, FDP, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke. In der ersten Gesprächsrunde herrschte bei allen Parteien Einigkeit darüber, dass die Rahmenbedingungen für Schule besser werden müssen. “Kleine Klassen”, erklärten alle unisono als notwendige Voraussetzung für besseres Lernen.
Bei der Frage der Schulstruktur teilten sich die Geister: Während Klaus Kaiser, CDU, und Marcel Hafke, FDP, Verfechter des bestehenden gegliederten Schulsystems waren, traten Wolfgang Große Brömer (SPD), Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Bärbel Beuermann (Die Linke) für längeres gemeinsames Lernen ein. Während die Vertreter der bisherigen Schulstruktur die individuelle Förderung und die Leistungsbereitschaft jedes Einzelnen in den Vordergrund stellten, wurden auf der anderen Seite - mit zum Teil eindrucksvollen Beispielen aus der eigenen Biografie von Bärbel Beuermann (Die Linke) - die Hürden des gegliederten Schulsystems dargelegt und Chancengleichheit für alle Kinder gefordert.
Schulzeitverkürzung und Ganztagsschule, wie soll das alles realisiert werden?
In den Fragen der Schülerinnen und Schüler, die sich auf die Diskussion gut vorbereitet hatten, wurde deutlich, dass sie große Sorgen haben, wie sich Bildung auf Kindheit und Jugend auswirken werden. Sie befürchten erhöhten Leistungsdruck und weniger individuell gestaltete Freizeitmöglichkeiten. Sie forderten mehr Mitbestimmung bei Bildungsreformen und mehr Gestaltungsmöglichkeiten in der Schule.
Wer soll das bezahlen?
Unweigerlich stellte sich die Frage – und wie nicht anders zu erwarten war, wurde die Diskussion nun kontrovers. Marcel Hafke, FDP, der schon zu Beginn der Diskussion mehr Geld für die Bildung gefordert hatte, musste sich nun von Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) fragen lassen, woher denn das Geld kommen solle, denn die FDP sei bekanntlich für Steuersenkungen. Als Klaus Kaiser (CDU) dann die Erhöhung des Bildungsetats während der ablaufenden Regierungsperiode ins Feld führte, wurde er von Wolfgang Große Brömer (SPD) und auch einigen Teilnehmern aus dem Publikum auf die Finanzprobleme in Oberhausen sowie anderer Kommunen des Ruhrgebiets und die Folgen für die Schulen hingewiesen. “Ungleiches ungleich behandeln”, also Bildungsfinanzierung im Kontext mit sozialer Lage umzusetzen, war eine der zentralen Forderungen zum Schluss der lebhaften Diskussion.
Die Medien-AG sorgte hervorragend für den reibungslosen technischen Ablauf und begleitete die Veranstaltung mit ihren Kameras. Das Ergebnis wird in wenigen Tagen in Form einer DVD, die ausgeliehen und im Unterricht eingesetzt werden kann, vorliegen.
Dank an die VHS, die Schulleitung, Kolleginnen und Kollegen, die Hausmeister, Schülerinnen und Schüler und alle, die bei Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung mitgearbeitet haben.





